Wie Fenster angegriffen werden
Gelegenheitstäter wollen schnell und möglichst leise ins Haus. Ein häufiger Weg ist das Aufhebeln: Mit einem Schraubendreher oder einem ähnlichen Werkzeug wird der Flügel zwischen Flügel und Rahmen aus seiner Verriegelung gedrückt. Seltener wird das Glas eingeschlagen, weil das laut ist und auffällt.
Daraus folgt: Am wichtigsten ist, dass der Flügel sich nicht einfach aus dem Rahmen hebeln lässt. Alles Weitere ergänzt diesen Grundschutz. Dass Widerstand wirkt, zeigen die Zahlen der Polizei: Im Jahr 2025 kamen nach Angaben der Polizeilichen Kriminalprävention 44,9 Prozent der Einbrüche nicht über das Versuchsstadium hinaus. Die Polizei sieht darin auch eine Wirkung von Sicherungstechnik.
Der Beschlag: Verriegelung rund um den Flügel
Der Beschlag ist die Mechanik im Falz zwischen Flügel und Rahmen. Wenn Sie den Griff drehen, bewegen sich Verriegelungszapfen und greifen in Schließstücke am Rahmen. Für den Schutz gegen Aufhebeln kommt es vor allem auf drei Dinge an:
- Form der Zapfen: Einfache runde Rollzapfen sichern vor allem die Dichtheit. Sogenannte Pilzkopfzapfen haken sich in passende Sicherheitsschließstücke ein und machen das Aufhebeln deutlich schwerer.
- Anzahl und Lage der Verriegelungspunkte: Je mehr Punkte rundum verteilt sind, desto weniger lässt sich der Flügel an einer Stelle aufdrücken. Besonders wichtig sind die Ecken und die Bandseite.
- Befestigung der Schließstücke: Ein Sicherheitsschließstück nützt nur, wenn es fest mit dem Rahmen und dessen Verstärkung verschraubt ist.
Welche Ausstattung ein Fenster hat, hängt vom Hersteller, vom Profilsystem und von der gewählten Option ab. Fragen Sie bei jedem Angebot nach, welche Zapfen und Schließstücke tatsächlich verbaut sind.
Der Griff: abschließbar und gegen Anbohren geschützt
Ein abschließbarer Fenstergriff verhindert, dass der Griff von außen gedreht wird, etwa nachdem eine kleine Öffnung ins Glas gemacht oder durch einen Spalt gegriffen wurde. Manche Griffe haben zusätzlich einen Anbohrschutz, der das Manipulieren des Getriebes von außen erschwert.
Wichtig ist die richtige Erwartung: Ein abschließbarer Griff allein verhindert kein Aufhebeln des Flügels. Er ist eine sinnvolle Ergänzung zu einem guten Beschlag, kein Ersatz dafür. Im Alltag sollte der Schlüssel griffbereit, aber nicht direkt am Fenster liegen, damit das Fenster im Notfall geöffnet werden kann.
Glas: Verbundsicherheitsglas und einbruchhemmende Verglasung
Normales Isolierglas lässt sich einschlagen. Mehr Widerstand bietet Verbundsicherheitsglas (VSG). Dabei sind zwei oder mehr Scheiben mit einer zähen Folie verbunden. Wird das Glas getroffen, bricht es zwar, die Splitter haften aber an der Folie, und es entsteht nicht sofort ein Loch. Das verbessert auch den Schutz vor Verletzungen und dämpft nebenbei Schall.
Für einbruchhemmende Fenster gibt es außerdem Verglasungen, die in eigenen Widerstandsklassen nach DIN EN 356 eingestuft sind. Die Polizei nennt für solche Fälle Verbundsicherheitsglas ab der Klasse P4A. Je mehr Folienlagen ein Verbundglas hat, desto länger hält es Schlägen stand. Welche Verglasung sinnvoll ist, hängt von der Lage des Fensters und vom gewünschten Schutzniveau ab. Gut erreichbare Fenster im Erdgeschoss und Terrassentüren sind dabei wichtiger als Fenster im Obergeschoss.
Geprüfte Einbruchhemmung: was RC2 bedeutet
Einbruchhemmende Fenster werden nach der Norm DIN EN 1627 in Widerstandsklassen eingeteilt, die mit dem Kürzel RC (Resistance Class) bezeichnet werden. Für eine solche Einstufung wird das komplette Element geprüft: Profil, Beschlag, Glas, Griff und die vorgegebene Art der Befestigung im Mauerwerk.
Widerstandsklassen in der Praxis
- Empfehlung der Polizei
- Für Neubau und Sanierung Fenster und Türen mindestens der Widerstandsklasse RC2, weil dann das ganze Element ohne Schwachpunkt geprüft ist.
- Einschätzung der Verbraucherzentrale
- Mit einem Fenster der Klasse RC2 wählen Sie für private Wohnungen bereits einen hohen Einbruchschutz.
- Bundesförderung
- Nach dem KfW-Infoblatt in Version 11.0, Nummer 2.4, zählen einbruchhemmende Fenster ab RC2 sowie Pilzkopfverriegelungen, drehgehemmte Fenstergriffe und Sicherheitsverglasung beim Fenstertausch zu den förderfähigen Leistungen. Eine Bestellung unter der Bedingung der Förderzusage ist im Fenedo Store nicht möglich.
- Einzelteile
- Pilzkopfzapfen allein ergeben noch keine Widerstandsklasse. Eingestuft wird nur das ganze Element mit Einbau.
Daraus folgen zwei wichtige Punkte. Erstens ergeben einzelne Sicherheitsteile noch keine Widerstandsklasse. Ein Fenster mit Pilzkopfzapfen ist sicherer als eines ohne, aber es ist deshalb nicht automatisch in einer RC-Klasse. Zweitens gehört der fachgerechte Einbau dazu. Ein eingestuftes Fenster, das nicht wie vorgegeben befestigt ist, bietet nicht den geprüften Widerstand. Für die Förderung einbruchhemmender Fenster gilt ein eigener Uw-Höchstwert, mehr dazu im Artikel Förderung für neue Fenster.
Die unteren Widerstandsklassen im Überblick
DIN EN 1627 kennt sieben Widerstandsklassen von RC1N bis RC6. Das N steht für „normal“: Bei RC1N und RC2N stellt die Norm keine erhöhten Anforderungen an die Verglasung. Für Wohnhäuser sind vor allem die unteren Klassen wichtig.
| Klasse | Einsatz nach Empfehlung der Polizei | Verglasung |
|---|---|---|
| RC1N | Grundsicherung für Fenster in erhöhter Lage, die nur mit einer Aufstiegshilfe erreichbar sind | keine erhöhten Anforderungen |
| RC2N | nur, wenn kein direkter Angriff auf die Verglasung zu erwarten ist | ohne Sicherheitsverglasung |
| RC2 | uneingeschränkt empfehlenswert | mit Sicherheitsverglasung, die Polizei nennt Verbundsicherheitsglas ab P4A |
Den Unterschied zwischen RC2 und RC2N macht das Glas. Nach K-Einbruch, dem Präventionsportal der Polizei, ist der Verzicht auf Sicherheitsglas nur dann vertretbar, wenn kein direkter Angriff auf die Verglasung zu erwarten ist. Für ein gut erreichbares Fenster im Erdgeschoss trifft das selten zu. Höhere Klassen ab RC3 kommen bei besonderer Gefährdung in Frage; das klärt eine polizeiliche Beratungsstelle. Die Polizei rät außerdem zu Fenstern, deren Fertigung laufend neutral überwacht wird. Erkennbar ist das an einer Kennzeichnung am Fenster. Was in der Leistungserklärung eines Fensters steht, erklärt der Artikel Leistungserklärung für Fenster.
Ohne guten Einbau kein guter Schutz
Ein Fenster ist nur so stabil wie seine Verbindung zur Wand. Wird der Rahmen mit zu wenigen oder ungeeigneten Befestigungen montiert, kann er sich beim Hebeln verformen, und die Verriegelung verliert ihren Halt. Die Polizei betont deshalb, dass Sicherungen fachgerecht eingebaut sein müssen. Besonders bei Terrassentüren und bodentiefen Elementen lohnt sich ein Einbau durch einen erfahrenen Fachbetrieb. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Fenster selbst einbauen oder Fachbetrieb.
Terrassentüren und gut erreichbare Fenster
Bodentiefe Elemente wie Terrassentüren, Balkontüren und Hebe-Schiebetüren liegen oft an der Gartenseite, wo Täter wenig gesehen werden. Für sie gelten dieselben Grundsätze wie für Fenster: Verriegelung rundum, stabile Schließstücke, gegebenenfalls Sicherheitsglas und ein fester Einbau. Prüfen Sie bei der Planung zuerst diese Elemente und die Fenster im Erdgeschoss.
Ältere Fenster nachrüsten
Bestehende Fenster lassen sich oft nachrüsten, zum Beispiel mit abschließbaren Griffen oder mit zusätzlichen Sicherungen, die auf Flügel und Rahmen geschraubt werden. Die Polizei empfiehlt dafür geprüfte Nachrüstprodukte, die sinnvoll aufeinander abgestimmt sind. Ob das sinnvoll ist, hängt vom Zustand und Profil des Fensters ab. Lassen Sie solche Nachrüstungen von einem Fachbetrieb ausführen, denn eine Sicherung ist nur so stark wie ihre Verschraubung.
Einfache Maßnahmen im Alltag
Ein Teil des Schutzes liegt im Verhalten. Diese Punkte kosten wenig:
Im Alltag
- Fenster beim Verlassen des Hauses schließen, nicht gekippt lassen.
- Abschließbare Griffe auch tatsächlich abschließen.
- Leitern, Gartenmöbel und Mülltonnen nicht unter Fenstern stehen lassen.
- Bei längerer Abwesenheit für einen bewohnten Eindruck sorgen, etwa durch Nachbarn, die den Briefkasten leeren.
- Den Beschlag regelmäßig prüfen und pflegen, damit alle Verriegelungspunkte sauber greifen.
Ob gekippte Fenster bei einem Einbruch für Ihre Versicherung eine Rolle spielen, klären Sie am besten direkt mit Ihrem Versicherer. Eine neutrale Beratung zum Einbruchschutz bieten die polizeilichen Beratungsstellen an. Informationen finden Sie bei der Polizeilichen Kriminalprävention.
Wie Sie Beschläge pflegen, damit sie lange zuverlässig verriegeln, lesen Sie im Artikel Fenster pflegen und warten.



