Die Teile eines Dreh-Kipp-Beschlags

Ein Dreh-Kipp-Beschlag verwandelt die Drehung des Griffs in eine Längsbewegung. Diese Bewegung läuft über Stangen rund um den Flügel und schiebt an mehreren Stellen Zapfen in Schließstücke am Rahmen oder aus ihnen heraus. Die meisten Teile liegen verdeckt im Profil, sichtbar bleiben nur Griff und Bänder.

Griff und Getriebebewegen die TreibstangeTreibstangeläuft im Falz rundumEckumlenkunglenkt um die EckeZapfen und Schließstückverriegeln Flügel und RahmenSchereEcklager trägt den FlügelFehlbedienungssperream Griff oder in der EckeFlügelheberbringt den Flügel auf Höhe
Dreh-Kipp-Beschlag am Flügel, Ansicht von innen, Bänder links: Griff mit Getriebe, Treibstange im Falz, Eckumlenkungen, Zapfen mit Schließstücken, Schere oben, Ecklager unten, Fehlbedienungssperre und Flügelheber. Schematisch.
Bauteile und ihre Aufgabe
BauteilWo es sitztWas es tut
Getriebe mit GriffGriffseite, Mitte des Flügelssetzt die Drehung des Griffs in eine Längsbewegung um
Treibstangeim Falz rund um den Flügelüberträgt die Bewegung zu allen Verriegelungspunkten
Eckumlenkungin den Ecken auf der Griffseiteführt die Bewegung um die Ecke weiter
Zapfen und SchließstückZapfen am Flügel, Schließstück am Rahmenverriegeln Flügel und Rahmen und drücken den Flügel an die Dichtung
Schere mit Scherenlageroben, Bandseitehält den Flügel in der Kippstellung und begrenzt die Kippweite
Ecklagerunten an der Bandseiteträgt das Gewicht des Flügels und ist Drehpunkt beim Drehen und Kippen

Das Ecklager ist besonders belastet: Es trägt nach Baunetz Wissen das komplette Gewicht des Flügels. Bei schweren Flügeln, etwa mit Dreifachglas, legt der Beschlaghersteller fest, welche Ecklager und Scheren für welches Flügelgewicht zulässig sind. Wie der Glasaufbau das Gewicht bestimmt, zeigt der Artikel Isolierglas-Aufbau lesen.

Drei Griffstellungen und was dabei passiert

Griff untengeschlossen, verriegeltGriff waagerechtDreh: öffnet zur SeiteGriff obenKipp: oben nach innen
Griffstellungen eines Dreh-Kipp-Flügels mit Griff rechts: unten geschlossen und verriegelt, waagerecht Drehstellung, oben Kippstellung.
  1. Griff unten: verriegelt

    Die Zapfen stehen in den Schließstücken. Flügel und Rahmen sind formschlüssig verbunden, der Flügel liegt fest an der Dichtung an.

  2. Griff waagerecht: Drehen

    Die Zapfen sind entriegelt, die Schere ist gesperrt. Der Flügel schwingt um die Bänder zur Seite auf, das Ecklager trägt ihn dabei.

  3. Griff oben: Kippen

    Die Verriegelung ist gelöst, der Flügel hängt oben an der Schere und kippt nach innen. Wie weit, bestimmt die Ausführung der Schere.

Beim Schließen muss der Beschlag die Gegenkraft der Dichtung überwinden. Ein leicht spürbarer Widerstand am Ende der Griffbewegung ist deshalb normal. Geht der Griff deutlich schwerer als früher, sind Fett oder eine Einstellung fällig.

Fehlbedienungssperre, Flügelheber und Spaltlüftung

Moderne Beschläge haben Zusatzteile, die Bedienfehler und Verschleiß verhindern:

  • Fehlbedienungssperre: Sie verhindert, dass der Griff bei geöffnetem Flügel in eine andere Stellung gedreht wird, etwa von Kippen direkt auf Drehen. Das schützt Flügel und Beschlag vor Schäden durch falsches Umschalten. Die Sperre sitzt am Griff oder in einer Ecke des Flügels.
  • Flügelheber: Ein Teil am Flügel läuft beim Schließen auf ein Gegenstück am Rahmen auf und bringt den Flügel auf die richtige Höhe. So finden die Zapfen leichter in ihre Schließstücke.
  • Spaltlüftung: Bei manchen Beschlägen gibt es eine Zwischenstellung, in der der Flügel nur einen schmalen Spalt geöffnet ist. Ob Ihr Beschlag sie hat, steht in seiner Bedienungsanleitung.

Beschlag beim Stulpfenster

Ein Stulpfenster hat zwei Flügel ohne festen Mittelpfosten. Der Flügel mit Griff hat einen normalen Dreh-Kipp-Beschlag. Der zweite Flügel, der Standflügel, wird über ein eigenes Stulpgetriebe mit Hebel an der Kante verriegelt. Er lässt sich erst öffnen, wenn der erste Flügel offen ist. Wann sich Stulp oder Pfosten lohnt, erklärt der Artikel Öffnungsarten bei Fenstern.

Zapfen und Schließstücke beim Einbruchschutz

Wie gut ein Fenster gegen Aufhebeln schützt, hängt stark von den Zapfen und Schließstücken ab: wie viele es gibt, wo sie sitzen und welche Form sie haben. Runde Rollzapfen halten den Flügel dicht, Pilzkopfzapfen haken sich in Sicherheitsschließstücke ein. Details zu Zapfen, abschließbaren Griffen, Sicherheitsglas und Widerstandsklassen stehen im Artikel Einbruchschutz am Fenster.

Schema eines Dreh-Kipp-Flügels von innen mit Verriegelungspunkten rundum: in den Ecken, auf der Bandseite, auf der Griffseite über und unter dem Griff sowie oben und unten. Der abschließbare Griff verhindert Drehen von außen, aber kein Aufhebeln. Detail: Ein Rollzapfen sichert vor allem die Dichtheit, ein Pilzkopfzapfen hakt hinter das Sicherheitsschließstück und hält bei Hebelkraft. Verbundsicherheitsglas hält Splitter an der Folie zusammen. Widerstandsklasse RC2 gilt nur für das ganze geprüfte Element mit Einbau; im Fenedo Store gibt es dafür derzeit keine Option.Beschlag und Sicherheitszonen am FensterDreh-Kipp-Flügel von innen gesehen, Verriegelung rundum (Schema)fenedoEckenhier setzen Hebelwerkzeuge oft anGriffseiteVerriegelung über und unter dem GriffBandseiteauch gegenüber dem Griff verriegelnAbschließbarer Griffverhindert Drehen von außen,aber kein AufhebelnVerglasungmit VSG gegen EinschlagenVerriegelung mit SicherheitsschließstückHebelkraftSchließstückRollzapfensichert vor allemdie DichtheitPilzkopfzapfenhakt hinter dasSchließstückVerbundsicherheitsglas (VSG)Folie zwischen den Scheibenhält Splitter zusammenWiderstandsklasse RC2: geprüft wird das ganze Element mit Einbau, nicht ein Einzelteil.Im Fenedo Store gibt es derzeit keine Option für Widerstandsklassen.Quellen: Polizeiliche Kriminalprävention, Technische Sicherheit (Stand 03.10.2026). Schema ohneMaßstab; Zahl und Lage der Verriegelungspunkte hängen von Hersteller, Größe und Option ab.
Verriegelungspunkte rund um einen Dreh-Kipp-Flügel, Rollzapfen und Pilzkopfzapfen im Vergleich und Verbundsicherheitsglas.

Sicher bedienen

Die Richtlinie der Gütegemeinschaft Schlösser und Beschläge für Fenster- und Fenstertürbeschläge nennt Gefahren, die beim Bedienen auftreten. Daraus ergeben sich einfache Regeln:

Hinweise zur Bedienung

  • Bei Wind und Durchzug Flügel schließen. Ein offener Flügel kann zuschlagen.
  • Nichts an den offenen Flügel hängen und den Flügel nicht zusätzlich belasten.
  • Nicht zwischen Flügel und Rahmen greifen, wenn der Flügel schließt. Das gilt besonders für Kinder.
  • Den Griff nur bei geschlossenem Flügel in eine andere Stellung drehen.

Wartung: mindestens einmal im Jahr

Nach der Richtlinie der Gütegemeinschaft sollten Beschlagteile mindestens jährlich auf festen Sitz und Verschleiß geprüft werden, im Schul- und Hotelbau halbjährlich. Alle beweglichen Teile und alle Verschlussstellen werden dabei gefettet und auf Funktion geprüft. Gereinigt wird mit einem weichen Tuch und mildem, pH-neutralem Reiniger. Säurehaltige Reiniger und Scheuermittel schaden den Teilen.

Welche Pflegemittel geeignet sind und wie Sie Dichtungen und Entwässerung gleich mit pflegen, steht im Artikel Fenster pflegen und warten und in der Jahres-Checkliste zur Fensterwartung.

Anpressdruck und Sommer- oder Winterstellung

Viele Beschläge haben Verriegelungszapfen, die exzentrisch auf ihrem Sitz stehen. Dreht man sie, liegt der Flügel stärker oder schwächer an der Dichtung an. Manche Hersteller markieren die Stellungen als Sommer- und Winterstellung oder mit Plus und Minus. Mehr Anpressdruck macht den Flügel dichter, aber den Griff schwerer, und drückt die Dichtung stärker zusammen. Ob Ihr Beschlag solche Zapfen hat und wie weit sie sich drehen lassen, steht in der Bedienungsanleitung des Beschlags; im Zweifel stellt ein Fachbetrieb sie ein.

Zieht es trotz richtiger Einstellung, liegt es oft an der Dichtung. Dichtungsprofile haben nach der Nutzungsdauertabelle des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung eine kürzere Lebensdauer als Rahmen und Beschlag; die Werte stehen in Wie lange halten Fenster?.

Beschlag bei Fenstern aus dem Fenedo Store

Den Beschlag wählen Sie im Konfigurator indirekt mit der Öffnungsart: Dreh-Kipp, Dreh, Kipp oder Fest je Flügel, bei zwei Flügeln mit Pfosten oder als Stulp. Bei Ideal 4000 gibt es den Stulp auch mit Mittelgriff. Ein festes Feld hat keinen Beschlag. Im Schritt Extras gibt es unter „Sicherheit“ einen Sicherheitsbeschlag in Stufe 1 und Stufe 2, derzeit zum Beispiel bei einflügeligen Dreh-Kipp-Fenstern aus Ideal 4000, Bluevolution 82 und dem Holzfenster Naturo 80. Das sind höhere Sicherheitsstufen des Beschlags nach Angabe des Herstellers; wie sie sich im Einzelnen unterscheiden, etwa bei Zahl und Form der Zapfen, legt der Hersteller fest. Eine geprüfte Widerstandsklasse wie RC2 ist damit nicht verbunden. Die Stufen erscheinen nur, wenn der Konfigurator für Ihr System, Ihre Öffnungsart und Ihr Maß einen Aufpreis zeigt. Wenn Ihnen eine bestimmte Ausstattung wichtig ist, etwa die Zapfenart oder eine Spaltlüftung, fragen Sie vor der Bestellung über die Kontaktwege nach. Wir nennen dann, was für Ihre Konfiguration belegt ist.