Ein Fensterprofil im Schnitt
Schneidet man ein Kunststofffenster quer durch, sieht man zwei Profile: unten den Rahmen, der fest in der Wand sitzt, darüber den Flügel, der sich öffnen lässt und das Glas trägt. Beide Profile sind innen in Hohlräume geteilt. Zwischen Rahmen und Flügel liegen Dichtungen. In der größten Kammer steckt ein Stahlprofil.
Bautiefe: wie tief das Profil ist
Die Bautiefe ist das Maß des Rahmenprofils von der Außen- zur Innenseite. Ein tieferes Profil bietet mehr Platz: für zusätzliche Kammern, für eine weitere Dichtungsebene und für dickere Glaspakete. Deshalb haben moderne Systeme meist eine größere Bautiefe als Fenster aus früheren Jahrzehnten.
Bei manchen Systemen haben Rahmen und Flügel unterschiedliche Bautiefen, der Flügel steht dann etwas vor. Hersteller geben in diesem Fall beide Werte an. Bei Hebe-Schiebetüren ist der Rahmen besonders tief, weil er Laufschienen für die Flügel aufnimmt.
Für den Einbau ist die Bautiefe auch praktisch wichtig: Sie bestimmt, wie weit der Rahmen in die Laibung reicht und wie viel Platz für Dämmung und Abdichtung in der Fuge bleibt. Klären Sie das mit dem Betrieb, der einbaut.
Kammern: Luft als Dämmung
Kammern sind die Hohlräume im Kunststoffprofil. Die eingeschlossene Luft leitet Wärme schlecht. Mehrere Kammern hintereinander bremsen den Wärmefluss vom Raum nach außen stärker als eine große. Die Kammern haben aber auch andere Aufgaben: Eine vordere Kammer leitet eingedrungenes Wasser nach außen ab, in einer anderen werden die Schrauben des Beschlags verankert.
Die Zahl der Kammern ist deshalb ein Hinweis, aber kein Wertmaßstab für sich. Zwei Profile mit gleicher Kammerzahl können sich in Tiefe, Form und Dämmung deutlich unterscheiden. Hersteller zählen die Kammern außerdem nicht einheitlich, manche getrennt für Rahmen und Flügel, manche zusammen.
Aluminiumprofile haben ebenfalls Kammern, ihre Dämmung entsteht aber vor allem durch die Dämmstege zwischen der äußeren und der inneren Schale. Holzprofile kommen ganz ohne Kammern aus, weil Holz selbst dämmt. Mehr dazu in den Artikeln Aluminiumfenster im Wohnhaus und Holzfenster: Vorteile, Nachteile und Pflege.
Stahlverstärkung: damit das Profil steif bleibt
Warum der Stahl innen in der Hauptkammer sitzt und nicht außen, zeigen die Materialwerte. Der Bundesverband Flachglas nennt als Wärmeleitfähigkeit für hartes PVC 0,17 W/(mK), für Stahl 50 W/(mK) und für Aluminium 160 W/(mK). Stahl leitet Wärme also rund dreihundertmal besser als das Kunststoffprofil. Die Verstärkung liegt deshalb rundum vom Kunststoff umschlossen, und die Kammern davor und dahinter bremsen den Wärmefluss.
Kunststoff allein ist für große Fensterflügel nicht steif genug. In der Hauptkammer von Rahmen und Flügel steckt deshalb meist ein Profil aus verzinktem Stahl. Es hält den Rahmen gerade, trägt das Gewicht des Glases und gibt den Schrauben des Beschlags Halt. Bei großen Flügeln, schweren Gläsern und dunklen Farben ist eine passende Verstärkung besonders wichtig. Welche Verstärkung nötig ist, legt der Hersteller für das jeweilige Maß fest.
Die Steifigkeit zeigt sich auch beim Widerstand gegen Windlast, den die Leistungserklärung des Fensters angibt. Klassifiziert wird er nach DIN EN 12210: Geprüft wird, wie das Fenster unter Winddruck nachgibt. Mehr Steifigkeit verlangt mehr Verstärkung, und mehr Metall im Profil verschlechtert den Wärmeschutz.
Dichtungen: zwei oder drei Ebenen
Zwischen Rahmen und Flügel liegen umlaufende Dichtungen. Bei Systemen mit zwei Dichtungen sitzt eine außen und eine innen am Anschlag. Sie halten Wind und Schlagregen draußen und trennen die Raumluft von der Außenluft.
Systeme mit drei Dichtungen haben meist eine zusätzliche Dichtung in der Mitte des Falzes, die Mitteldichtung. Sie teilt den Raum zwischen Rahmen und Flügel in eine äußere, feuchtere Zone und eine innere, trockene Zone, in der der Beschlag liegt. Das verbessert in der Regel Dichtheit und Schallschutz, mehr dazu im Artikel Schallschutzfenster. Wie bei den Kammern gilt: Eine Dichtung mehr ist ein Hinweis auf die Bauart, kein Ersatz für den Kennwert des ganzen Fensters.
Anschlagdichtung oder Mitteldichtung: Folgen für Wind und Regen
Bei einem Anschlagdichtungssystem liegen die Dichtungen außen und innen am Anschlag. Der Beschlag sitzt im selben Falzraum, durch den auch eingedrungenes Wasser abgeleitet wird. Bei einem Mitteldichtungssystem trennt die dritte Dichtung die Entwässerungsebene von der Beschlagsebene. Im geschlossenen Zustand liegt der Beschlag dann im trockenen Bereich, und es gibt zwei durchgehende Dichtungsebenen. Bei Anschlagdichtungen liegen Entwässerung und Beschlag im selben Falzraum. Schematisch zeigen die Profilschnitte im Abschnitt Die Profile im Fenedo Store im Vergleich beide Bauarten. Welche Dichtungsebenen ein bestimmtes System hat, nennen die Systemseiten der Hersteller nicht immer, fragen Sie im Zweifel nach.
Messbar wird das in der Leistungserklärung des fertigen Fensters. Nach der Marktüberwachungsbehörde in Baden-Württemberg stehen dort unter anderem Luft- und Schlagregendichtheit. Klassifiziert werden sie nach DIN EN 12207 für die Luftdurchlässigkeit und nach DIN EN 12208 für die Schlagregendichtheit. Was eine Leistungserklärung enthält, erklärt der Artikel Leistungserklärung für Fenster.
Dichtungen sind Verschleißteile. Wie Sie sie pflegen und wann sie ersetzt werden sollten, steht im Artikel Fenster pflegen und warten.
Warum der Uw-Wert mehr sagt als jede Einzelangabe
Bautiefe, Kammern und Dichtungen beschreiben nur den Rahmen. Durch ein Fenster geht Wärme aber vor allem über das Glas und den Randverbund verloren, und der Anteil des Rahmens hängt von Größe und Teilung ab. Der Uw-Wert fasst alles zusammen. Er gilt immer für eine bestimmte Größe. Vergleichen Sie deshalb Fenster in gleichem Maß, gleicher Teilung und gleicher Verglasung. Hintergründe stehen im Artikel Uw-Wert und warme Kante, die Wahl der Verglasung im Artikel Zweifach- oder Dreifachverglasung.
Die Profile im Fenedo Store im Vergleich
Bautiefe und Kammern stammen aus den Systemseiten von aluplast und Salamander. Die Zahl der Dichtungen nennen beide Seiten nicht, deshalb fehlt sie in der Übersicht.
Ideal 4000
- Aluplast
- Bautiefe 70 mm
- fünf Kammern
- Stulp mit Mittelgriff möglich
Bluevolution 82
- Salamander
- Bautiefe 82 mm
- fünf oder sechs Kammern je nach Variante
- Dreiflügelig auch mit festen Seitenteilen
| System | Material | Bautiefe | Quelle |
|---|---|---|---|
| MB-79N | Aluminium | 70 mm Rahmen, 79 mm Flügel | Datenblatt Aluprof |
| Masterline 8 | Aluminium | 77 mm Rahmen | Systemseite Reynaers |
| Naturo 80 | Holz | 80 mm | Produktdaten Fenedo |
Die Kennzahlen mit Quelle stehen auch auf den Seiten Ideal 4000 und Bluevolution 82. Im Konfigurator vergleichen Sie im Schritt „System“ beide Kunststoffsysteme für Ihr Maß und Ihre Öffnungsart nebeneinander, mit Preisstatus und, wo für Ihre Konfiguration bestätigt, mit Uw-Wert. Werte, die wir nicht aus einer bestätigten Quelle haben, nennen wir nicht. Den Vergleich der Rahmenmaterialien zeigt der Artikel Kunststofffenster, Aluminium oder Holz.


